Die Verwandlung (Teil 6)
Er glitt wieder in seine frühere Lage zurück. »Dies frühzeitige
Aufstehen«, dachte er, »macht einen ganz blödsinnig. Der Mensch muß
seinen Schlaf haben. Andere Reisende leben wie Haremsfrauen. Wenn ich
zum Beispiel im Laufe des Vormittags ins Gasthaus zurückgehe, um die
erlangten Aufträge zu überschreiben, sitzen diese Herren erst beim
Frühstück. Das sollte ich bei meinem Chef versuchen; ich würde auf der
Stelle hinausfliegen. Wer weiß übrigens, ob das nicht sehr gut für mich
wäre. Wenn ich mich nicht wegen meiner Eltern zurückhielte, ich hätte
längst gekündigt, ich wäre vor den Chef hingetret…
Die Verwandlung (Teil 16)
Schon war er so weit, daß er bei stärkerem Schaukeln kaum das
Gleichgewicht noch erhielt, und sehr bald mußte er sich nun endgültig
entscheiden, denn es war in fünf Minuten einviertel acht, -- als es an
der Wohnungstür läutete. »Das ist jemand aus dem Geschäft,« sagte er
sich und erstarrte fast, während seine Beinchen nur desto eiliger
tanzten. Einen Augenblick blieb alles still. »Sie öffnen nicht,« sagte
sich Gregor, befangen in irgendeiner unsinnigen Hoffnung. Aber dann ging
natürlich wie immer das Dienstmädchen festen Schrittes zur Tür und
öffnete.…
Die Verwandlung (Teil 17)
»Da drin ist etwas gefallen,« sagte der Prokurist im Nebenzimmer links.
Gregor suchte sich vorzustellen, ob nicht auch einmal dem Prokuristen
etwas Ähnliches passieren könnte, wie heute ihm; die Möglichkeit dessen
mußte man doch eigentlich zugeben. Aber wie zur rohen Antwort auf diese
Frage machte jetzt der Prokurist im Nebenzimmer ein paar bestimmte
Schritte und ließ seine Lackstiefel knarren. Aus dem Nebenzimmer rechts
flüsterte die Schwester, um Gregor zu verständigen: »Gregor, der
Prokurist ist da.« »Ich weiß,« sagte Gregor vor sich hin; aber so laut,
daß es die Schwester hätte hören können, wagte er die Stimme nicht zu
erheben.…
Die Verwandlung (Teil 23)
»Haben Sie auch nur ein Wort verstanden?« fragte der Prokurist die
Eltern, »er macht sich doch wohl nicht einen Narren aus uns?« »Um Gottes
willen,« rief die Mutter schon unter Weinen, »er ist vielleicht schwer
krank, und wir quälen ihn. Grete! Grete!« schrie sie dann. »Mutter?«
rief die Schwester von der anderen Seite. Sie verständigten sich durch
Gregors Zimmer. »Du mußt augenblicklich zum Arzt. Gregor ist krank.
Rasch um den Arzt. Hast du Gregor jetzt reden hören?« »Das war eine
Tierstimme,« sagte der Prokurist, auffallend leise gegenüber dem
Schreien der Mutter. »Anna! Anna!…
Die Verwandlung (Teil 24)
Gregor war aber viel ruhiger geworden. Man verstand zwar also seine
Worte nicht mehr, trotzdem sie ihm genug klar, klarer als früher,
vorgekommen waren, vielleicht infolge der Gewöhnung des Ohres. Aber
immerhin glaubte man nun schon daran, daß es mit ihm nicht ganz in
Ordnung war, und war bereit, ihm zu helfen. Die Zuversicht und
Sicherheit, womit die ersten Anordnungen getroffen worden waren, taten
ihm wohl. Er fühlte sich wieder einbezogen in den menschlichen Kreis und
erhoffte von beiden, vom Arzt und vom Schlosser, ohne sie eigentlich
genau zu scheiden, großartige und überraschende Leistungen.…
— und 22 weitere Textstellen im Training.