Der Prozess (Teil 69)
Als K. eintrat, kam Fräulein Montag vom Fenster her an der einen Seite
des Tisches entlang K. entgegen. Sie grüßten einander stumm. Dann sagte
Fräulein Montag, wie immer den Kopf ungewöhnlich aufgerichtet: „Ich
weiß nicht, ob Sie mich kennen.“ K. sah sie mit zusammengezogenen Augen
an. „Gewiß,“ sagte er, „Sie wohnen doch schon längere Zeit bei Frau
Grubach.“ „Sie kümmern sich aber, wie ich glaube, nicht viel um die
Pension,“ sagte Fräulein Montag. „Nein,“ sagte K. „Wollen Sie sich
nicht setzen,“ sagte Fräulein Montag. Sie zogen beide schweigend zwei
Sessel am äußersten Ende des Tisches hervor und setzten sich einander
gegenüber.…
Der Prozess (Teil 103)
„Sie scheinen noch keinen Überblick über das Gericht zu haben,“ sagte
der Maler, er hatte die Beine weit auseinandergestreckt und klatschte
mit den Fußspitzen auf den Boden. „Da Sie aber unschuldig sind, werden
Sie ihn auch nicht benötigen. Ich allein hole Sie heraus,“ „Wie wollen
Sie das tun?“ fragte K. „Da Sie doch vor kurzem selbst gesagt haben,
daß das Gericht für Beweisgründe vollständig unzugänglich ist.“
„Unzugänglich nur für Beweisgründe, die man vor dem Gericht vorbringt,“
sagte der Maler und hob den Zeigefinger, als habe K. eine feine
Unterscheidung nicht bemerkt.…
Der Prozess (Teil 104)
Der Maler hatte seinen Sessel näher zum Bett gezogen und fuhr mit
gedämpfter Stimme fort: „Ich habe vergessen, Sie zunächst zu fragen,
welche Art der Befreiung Sie wünschen. Es gibt drei Möglichkeiten,
nämlich die wirkliche Freisprechung, die scheinbare Freisprechung und
die Verschleppung. Die wirkliche Freisprechung ist natürlich das Beste,
nur habe ich nicht den geringsten Einfluß auf diese Art der Lösung. Es
gibt meiner Meinung nach überhaupt keine einzelne Person, die auf die
wirkliche Freisprechung Einfluß hätte. Hier entscheidet wahrscheinlich
nur die Unschuld des Angeklagten.…
Der Prozess (Teil 107)
Endlich hatte sich K. doch entschlossen, dem Advokaten seine Vertretung
zu entziehn. Zweifel daran, ob es richtig war, so zu handeln, waren
zwar nicht auszurotten, aber die Überzeugung von der Notwendigkeit
dessen überwog. Die Entschließung hatte K. an dem Tage, an dem er zum
Advokaten gehen wollte, viel Arbeitskraft entzogen, er arbeitete
besonders langsam, er mußte sehr lange im Bureau bleiben, und es war
schon 10 Uhr vorüber, als er endlich vor der Tür des Advokaten stand.
Noch ehe er läutete, überlegte er, ob es nicht besser wäre, dem
Advokaten telephonisch oder brieflich zu kündigen, die persönliche
Unterredung würde gewiß sehr peinlich werden.…
Der Prozess (Teil 114)
K. war, als der Advokat geendet hatte, vollständig gefaßt, er hatte
sogar zu den letzten Worten auffallend genickt und sich so selbst die
Bestätigung seiner alten Ansicht gegeben, nach welcher der Advokat ihn
immer und so auch diesmal durch allgemeine Mitteilungen, die nicht zur
Sache gehörten, zu zerstreuen und von der Hauptfrage, was er an
tatsächlicher Arbeit für K.s Sache getan hatte, abzulenken suchte. Der
Advokat merkte wohl, daß ihm K. diesmal mehr Widerstand leistete als
sonst, denn er verstummte jetzt, um K. die Möglichkeit zu geben, selbst
zu sprechen, und fragte dann, da K.…
— und 2 weitere Textstellen im Training.