Die Methode
Benjamin Franklin war zwölf, als er sich Schreibstil selbst beibrachte. Er hatte zufällig einen Band des Spectator gefunden und beschloss, dessen Prosa zu imitieren. Was er erfand, beschrieb er später in seiner Autobiografie:
„With this view I took some of the papers, and, making short hints of the sentiment in each sentence, laid them by a few days, and then, without looking at the book, try'd to compleat the papers again, by expressing each hinted sentiment at length, and as fully as it had been expressed before, in any suitable words that should come to hand. Then I compared my Spectator with the original, discovered some of my faults, and corrected them."
Die drei Übungen
- Hint-and-Reconstruct. Original lesen → pro Satz ein kurzes Stichwort zum Inhalt notieren → ein paar Tage warten → aus den Stichworten rekonstruieren → mit Original vergleichen.
- Prose-to-Verse-and-Back. Eine Erzählung in Verse umformen, dann (wenn die Prosa vergessen ist) zurück in Prosa. Ziel: Wortschatz erweitern.
- Jumble-and-Reorder. Die Stichworte aus Übung 1 mischen, einige Wochen warten, dann in die beste Reihenfolge bringen. Ziel: Strukturgefühl.
Tradition: imitatio
Franklin erfand die Methode nicht aus dem Nichts. Sie reicht zurück zu Quintilians Institutio Oratoria Buch X (~95 n. Chr.) und Erasmus' De Copia (1512) — die zentrale Übung humanistischer Rhetorik-Ausbildung. Der Schüler imitiert nicht sklavisch, sondern verinnerlicht ein Vorbild und sucht es schließlich zu übertreffen.
Auch Robert Louis Stevenson schrieb 1887: „I have played the sedulous ape to Hazlitt, to Lamb, to Wordsworth, to Sir Thomas Browne, to Defoe, to Hawthorne, to Montaigne, to Baudelaire and to Obermann." Verwandte Tradition, andere konkrete Methode.
Wie wir die Methode optimiert haben
Franklin musste sich die Stichworte selbst notieren — die ermüdendste Stelle. Bei uns übernimmt das die KI: aus dem Original wird automatisch eine Inhaltszusammenfassung erzeugt. Du fokussierst dich auf die eigentliche Stil-Imitation.
Was Franklin nicht messen konnte, messen wir: pro Versuch rechnen wir 20 Stilmetriken (Satzlängen-Varianz, MTLD, Funktionswort-Verteilung, Dependency-Distance, mehr) und vergleichen mit dem statistischen Profil des Original-Autors. Der Stilabstand ist deine deterministische Bewertung — keine LLM-Halluzination, sondern Burrows'-Δ-Variante.
Spaced Repetition (FSRS V5) plant die Wiederholungen so, dass du Passagen in zunehmenden Abständen rekonstruierst.
Ehrlichkeit
Was wir nicht behaupten: dass die Methode wissenschaftlich validiert ist. Spaced Repetition + Retrieval Practice sind für Vokabel-Lernen robust evidenzbasiert (Roediger & Karpicke 2006; Dunlosky et al. 2013). Der Transfer auf produktive Stil-Imitation ist eine plausible Hypothese, kein bewiesener Effekt.
Was wir versprechen: messbare, transparente Rückmeldung auf das, was du schreibst. Kritik kommt nach der Submission — nicht währenddessen.
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